2. Platz im Wettbewerb des Grenander Award 2004 >

Grafik: Dietrich von Plettenberg

Mitten im Herzen von Berlin

Pension Kettler

Bleibtreustr. 19, 10623 Berlin - Tel. 030-883 49 49 / 883 56 76 - Fax 030-882 42 28

Bushaltestelle: Kurfürstendamm / Bleibtreustraße

Alte Zeit und neue Kunst

"Eine Pension voll von guten alten Zeiten und so voll von guter neuer Kunst", schrieb der niederländische Schriftsteller A. F. Th. van der Heijden ins Gästebuch seiner Berliner Unterkunft in der Bleibtreustraße 19. Kurze Zeit später verewigte er die Pension Kettler und ihre
Chefin Isolde Josipovici sogar in einem Buch.

Dass sich der prominente Holländer in der Bleibtreustraße so wohl fühlte, lag nicht nur an dem antik-nostalgischen Ambiente des Sechs-Zimmer-Hotels, sondern auch an dem besonderen Charme seiner umtriebigen Besitzerin.

Wohnen mit Berliner Charme

Isolde Josipovici ist wohl das, was man ein Berliner Original nennt. Wortreich, quirlig, auf vielen Hochzeiten tanzend und liebevoll fürsorglich. Und wie alle typischen Berliner ist sie einst zugereist - aus Ludwigshaven. Was sie nicht davon abhält, sich vehement und regelmäßig in die Berliner Politik einzumischen. Vielen Hauptstädtern das ehemalige Mannequin wegen ihres ständigen Engagements, Sponsoren für die Berliner Wasserspiele aufzutreiben, als Brunnenfee ein Begriff.

Mehr als 100 Jahre Tradition

Die Pension Kettler übernahm sie 1972. Gegründet wurde das Unternehmen jedoch schon vor 102 Jahren. Im Jahr 1900 eröffnete die Familie Kettler das Domizil zunächst an der Ecke Ranke- und Augsburger Straße. 1936 zog das kleine Hotel um in das 1902 erbaute hochherrschaftliche Haus in der Bleibtreustraße.

Gästezimmer als Gesamtkunstwerk

Als Isolde Josipovici das 280-Quadratmeter-Hotel übernahm, war es jedoch nicht in bestem Zustand. "Mein Ehemann, der Kunsthistoriker und Kunsthändler war, riet mir damals eher ab." Doch die energische Frau ließ sich nicht abhalten, griff selbst zum Handwerkszeug und stromerte durch Antiquitätengeschäfte und Trödelläden. Sie kaufte alte Lampen, moderne Bilder, fand exquisite Stühle, die sie selbst wieder aufarbeitete. So wurde die Pension Kettler zu dem Gesamtkunstwerk, das sie heute ist. Moderne Kunst steht hier neben Antiquitäten und ein Stück der Berliner Mauer gehört ebenfalls zum Interieur. Kein Gästezimmer ist wie das andere. Dabei ist alles harmonisch aufeinander abgestimmt. Jeder Raum hat seine Farbe. "Das gold-gelbe ist mein Lieblingszimmer." Manche Gäste sagen, sie fühlen sich hier wie in der Kindheit bei den Großeltern.

Plauderei mit Tee in der Küche

Mit vielen Gästen verbindet Isolde Josipovici inzwischen auch Freundschaft. Bei einer Tasse Tee in der riesigen altberliner Küche läßt es sich mit der Pensionswirtin vortrefflich übers Leben plaudern, das ihr selbst etliche Höhen und Tiefen bescherte. "Das Leben ist wie die Börse. Ein Geradeaus gibt es nicht", sagt die Mittfünfzigerin, die eben bei Filmemacher Lothar Lambert ihr Schauspieldebüt gab, heute.

Die Mischung aus Lebendigkeit, Tradition und Behaglichkeit scheint auch den Gästen zu gefallen, von denen viele immer wieder kommen.

kheid